Messgeräte-Ratgeber

Ihre Verteidiger, wenn Sie ein PoliScan-Rotlichtblitzer erfasst hat

Das Wichtigste zuerst

An immer mehr Ampelkreuzungen stehen keine klassischen Rotlichtanlagen mit Induktionsschleifen mehr, sondern kombinierte Messgeräte der PoliScan-Familie von Vitronic (etwa PoliScan F1 HP). Sie überwachen Rotlicht und Geschwindigkeit zugleich per Laserscanner. Ob ein Verstoß hält, entscheidet sich fast immer an der Rotzeitberechnung und an den beiden Beweisfotos. Für den Einspruch gilt grundsätzlich eine Frist von 2 Wochen ab Zustellung des Bußgeldbescheids.

Schnelle Einordnung

Was nach einem PoliScan-Rotlichtfoto jetzt wichtig ist.

Ob der Vorwurf hält, zeigt sich nicht am Bescheid, sondern in der Messakte: die beiden Beweisfotos, die Rotzeitdaten, der Eichschein und das Messprotokoll.

Rotzeit prüfen

Ob einfacher oder qualifizierter Verstoß, entscheidet oft eine Zehntelsekunde. Wir prüfen, wie die Anlage die Rotzeit erfasst hat.

Frist sichern

Nach Zustellung des Bußgeldbescheids bleiben grundsätzlich nur 2 Wochen für den Einspruch.

Messprinzip

So misst ein PoliScan-Rotlichtblitzer.

Klassische Rotlichtanlagen erfassen ein Fahrzeug über Induktionsschleifen in der Fahrbahn hinter der Haltelinie. PoliScan-Anlagen arbeiten stattdessen mit einem Laserscanner (LIDAR), der Fahrzeuge über eine Strecke verfolgt. Die Anlage ist mit der Ampelsteuerung gekoppelt und dokumentiert, ob ein Fahrzeug während der Rotphase die Haltelinie überfahren hat — und misst dabei zugleich seine Geschwindigkeit.

  • Kombinierte Überwachung von Rotlicht und Geschwindigkeit
  • In der Regel zwei Beweisfotos: an der Haltelinie und im Kreuzungsbereich
  • Erfassung der Rotzeit ab dem Umschalten der Ampel auf Rot
  • Zuordnung des Messwerts über den Auswertrahmen im Messfoto

Die eine Sekunde entscheidet

Zeigte die Ampel beim Überfahren der Haltelinie länger als eine Sekunde Rot, liegt in der Regel ein qualifizierter Rotlichtverstoß vor — mit deutlich höherem Bußgeld, Punkten und Fahrverbot. Kommt es auf wenige Zehntelsekunden an, ist die Rotzeitberechnung der Anlage der entscheidende Prüfpunkt.

Rotzeit prüfen lassen

Rechtsprechung

Wie Gerichte PoliScan-Rotlichtmessungen bewerten.

Wie bei der reinen Geschwindigkeitsmessung gilt die Technik als standardisiertes Messverfahren — was die Verteidigung nicht ausschließt, sondern auf die konkrete Dokumentation lenkt.

Standardisiertes Messverfahren

PoliScan-Messungen werden von der Rechtsprechung verbreitet als standardisiertes Messverfahren behandelt. Das Gericht darf den Messwert dann grundsätzlich ohne Sachverständigengutachten zugrunde legen — solange keine konkreten Anhaltspunkte für Fehler bestehen.

Rotzeit als Kernfrage

Bei Rotlichtverstößen kommt es entscheidend auf die Rotzeit an. Gerichte verlangen eine nachvollziehbare Ermittlung; bei knappen Werten nahe der Eine-Sekunden-Grenze ist die Datengrundlage regelmäßig genau zu prüfen.

Akteneinsicht & BVerfG

Das Bundesverfassungsgericht hat 2020 den Zugang zu vorhandenen Messunterlagen auch außerhalb der Bußgeldakte gestärkt (Beschluss vom 12.11.2020 — 2 BvR 1616/18). 2023 entschied es, dass eine Pflicht zur Speicherung von Rohmessdaten verfassungsrechtlich nicht besteht (Beschluss vom 21.06.2023 — 2 BvR 1090/21).

Messfehler

Typische Angriffspunkte bei PoliScan-Rotlichtmessungen.

Ob eine Messung angreifbar ist, zeigt sich meist erst nach Akteneinsicht. Bei kombinierten Rotlicht- und Geschwindigkeitsmessungen prüfen wir unter anderem folgende Punkte.

Rotzeitberechnung

Wie wurde der Rotzeitbeginn und der Zeitpunkt des Überfahrens der Haltelinie erfasst? Nahe der Eine-Sekunden-Grenze entscheidet das über die Ahndung.

Beide Beweisfotos

Zeigen die beiden Fotos schlüssig dasselbe Fahrzeug an Haltelinie und im Kreuzungsbereich — und passt der zeitliche Abstand zur behaupteten Geschwindigkeit?

Lage der Haltelinie

War die Haltelinie klar erkennbar und richtig markiert? Bei abgefahrenen oder verdeckten Markierungen ist der Überfahrzeitpunkt schwerer zu bestimmen.

Auswertrahmen & Zuordnung

Liegt das gemessene Fahrzeug vorgabegemäß im Auswertrahmen? Bei mehreren Fahrzeugen stellt sich die Frage der richtigen Zuordnung.

Eichung & Software

War die Anlage gültig geeicht und entsprach der Softwarestand der Bauartzulassung der PTB?

Fahreridentifikation

Ist die Person auf dem Foto zweifelsfrei erkennbar? Ohne sichere Identifizierung ist die Zurechnung angreifbar.

Toleranzabzug

Welche Toleranzen gelten.

Sowohl bei der Rotzeit als auch bei der gleichzeitig gemessenen Geschwindigkeit werden vor der Ahndung Sicherheitsabschläge berücksichtigt.

MessgrößeRegelmäßiger Abzug
Geschwindigkeit bis 100 km/h3 km/h
Geschwindigkeit über 100 km/h3 % des Messwerts
Rotzeitje nach Anlage/Rechtsprechung Sicherheitsabschlag
Ablauf

So prüfen wir Ihre Rotlichtmessung.

Von der ersten Einschätzung bis zur Verteidigung — den kompletten Ablauf erklärt So funktioniert's.

SCHRITT 01

Bescheid hochladen

Sie senden Bußgeldbescheid, Anhörungsbogen oder die Beweisfotos digital an uns — über die kostenlose Fallprüfung.

SCHRITT 02

Ersteinschätzung

Wir ordnen kurzfristig ein, ob einfacher oder qualifizierter Verstoß vorliegt und ob ein Einspruch sinnvoll ist.

SCHRITT 03

Einspruch & Akteneinsicht

Bei Beauftragung sichern wir die Frist und fordern Messakte, Rotzeitdaten, Eichschein und beide Beweisfotos an.

SCHRITT 04

Verteidigung

Wir greifen Rotzeitberechnung, Beweisfotos, Auswertrahmen oder Fahreridentifikation gezielt an und verhandeln mit Behörde oder Gericht.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum PoliScan-Rotlichtblitzer.

Wie misst ein PoliScan-Rotlichtblitzer?
Anders als klassische Rotlichtanlagen mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn arbeitet PoliScan mit einem Laserscanner (LIDAR), der Fahrzeuge über eine Strecke verfolgt. Die Anlage erfasst, ob ein Fahrzeug bei Rot die Haltelinie überfahren hat, und misst dabei zugleich die Geschwindigkeit. In der Regel werden zwei Beweisfotos erstellt.
Ab wann liegt ein qualifizierter Rotlichtverstoß vor?
Von einem qualifizierten Rotlichtverstoß spricht man in der Regel, wenn die Ampel beim Überfahren bereits länger als eine Sekunde Rot zeigte. Er wird deutlich strenger geahndet als der einfache Rotlichtverstoß. Details im Ratgeber Rotlichtverstoß.
Warum ist die Rotzeit so wichtig?
Die Grenze von einer Sekunde entscheidet über die Höhe des Bußgeldes und über ein Fahrverbot. Kommt es auf wenige Zehntelsekunden an, ist die Frage, wie die Anlage den Rotzeitbeginn und den Zeitpunkt des Überfahrens erfasst hat, häufig angreifbar.
Welche Toleranz gilt bei der Geschwindigkeitsmessung?
Bei der zugleich erfassten Geschwindigkeit wird in der Regel eine Toleranz von 3 km/h bis 100 km/h und 3 Prozent bei höheren Werten abgezogen. Bei der Rotzeit selbst werden je nach Anlage und Rechtsprechung ebenfalls Sicherheitsabschläge berücksichtigt.
Lohnt sich ein Einspruch bei einem Rotlichtverstoß?
Das hängt vom Einzelfall ab — vor allem von den beiden Beweisfotos, der Rotzeitberechnung, der Lage der Haltelinie und der Eichung. Für den Einspruch gilt grundsätzlich eine Frist von 2 Wochen ab Zustellung. Eine kostenlose Fallprüfung klärt, ob sich der Aufwand lohnt.
Rechtsanwältin Melanie Depner
Geprüft von Rechtsanwältin Melanie Depner, LL.M. — Fachanwältin für Verkehrsrecht
Baier Depner Rechtsanwälte, Karlsruhe

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